Egmond a. d. Hoef

Im Exil in Holland


Aufgrund der politischen Entwicklung in Deutschland beschloss Erwin Bowien seine Heimat zu verlassen und ins Exil nach Holland zu gehen. Nach mehreren kleinen Etappen fixierte er sich in dem Ort Egmond a.d. Hier bei Alkmaar. Er mietete sich in ein kleines Haus ein, in welchem der französische Philosoph Descartes während seines Exils gelebt haben soll. Es befand sich gegen genau gegenüber der Schlossruine der Grafen von Egmond.

Das Haus hatte drei Räume und eine Küche, zwei Dachkammern und einen Abort mit Wasser zum nachschütten. Im Flur fanden sich Perlmuttfarbige Kacheln und die Türen waren aus massiver Eiche.


Das Haus von Erwin Bowiens am Slootweg in Egmond a.d.Hoef, Holzgravur
Das Haus von Erwin Bowiens am Slootweg in Egmond a.d.Hoef, Holzgravur

Erwin Bowien fand in der Gegend schnell Freunde, insbesondere die Familie Hemelrijk in Bergen - das Familienoberhaupt war Direktor des altsprachlichen Gymnasiums in Alkmaar- nahm sich liebevoll des Emigranten an. 

Bowien war fortan in der Landschaft zwischen Castricum und Camperduin künstlerisch zu Hause. Etwa 40 Km an Dünen, Küste und Kiefernwälder.

Beim Malen am nordholländischen Kanal lernte Erwin Bowien den Künstler Dirk Oudes kennen, der fortan sein Schüler wurde. Erwin Bowien pflegte  mit vielen niederländischen Künstlern Kontakte, u.a mit  Graat Van Roggen, Matthias Wichman, Calnot, Vilarski, Franz Huisman, Charlie Toorop.


Ölskizze von Gunther Heinen in Egmond a.d.Hoef, 1936
Ölskizze von Gunther Heinen in Egmond a.d.Hoef, 1936

So oft Sie konnten, besuchten Ihn Erna Heinen-Steinhoff und Hanns Heinen in Egmond. Die Freundschaft festigte sich so stark, dass Erwin Bowien, ganz Selbstverständlich nach dem Krieg ins Schwarze Haus einzog. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, weilte Erna Heinen und Ihre Töchter mit dem Kindermädchen bei Bowien. Sie mussten sich unverzüglich auf Heimreise begeben und konnten das Großzügige Angebot der Familie Hemelrijk zu bleiben nicht annehmen.

Am 10. Mai 1940 überfiel Deutschland die Niederlande. Das Leben im besetzten Holland wird für den Künstler sehr schwer. Er schafft es dennoch die Freilassung einer holländischen Geisel zu erwirken. Vor der Gefahr von den Besatzungsbehörden auf „ Herz und Nieren“ geprüft zu werden, beschließt er die Niederlande zu verlassen und sich - als freier Künstler- und ohne gültige Papiere durch Deutschland zu schlagen.

Dr. Haroun Ayech