Der Salon im „Schwarzen Haus“ zu Solingen

Erna Heinen-Steinhoff und Ihr kultureller Salon


Die Salondame: Erna Heinen-Steinhoff  (1898-1969) - Historische Aufnahme aus dem Jahr 1917
Die Salondame: Erna Heinen-Steinhoff (1898-1969) - Historische Aufnahme aus dem Jahr 1917

Bereits in den 1920er Jahren begründete Frau Erna Heinen-Steinhoff (1898-1969) – einen Kulturellen Salon, welcher ab Dezember 1932, ins neue Domizil der Familie Heinen, dem „Schwarze Haus“ in Solingen fortgeführt wurde.

Regional und überregional bedeutende Künstler und Intellektuelle verkehrten regelmäßig im Salon der Familie Heinen, eine Tradition die über dem Tod von Erna Heinen-Steinhoff im Jahre 1969 von ihrer Tochter, der Malerin Bettina Heinen-Ayech (1937-2020) während ihrer Aufenthalte in Deutschland in den Sommermonaten weitergeführt wurde und knapp 90 Jahre - in unterschiedlicher Intensität - Bestand hatte.


Historisches Foto des Literarischen Salons von Erna Heinen-Steinhoff – Die Salondame mit Hanns Heinen und Erwin Bowien, 1958
Historisches Foto des Literarischen Salons von Erna Heinen-Steinhoff – Die Salondame mit Hanns Heinen und Erwin Bowien, 1958

Zu den Besuchern zählten unter anderem der Maler Erwin Bowien (1899-1972), der Cellist Ludwig Hoelscher (1907-1996), die Pianistin Elly Ney (1882-1968), die Bildhauerin Lies Ketterer (1905-1976), der Schriftteller Heinz Risse (1898-1989), der Glasbildhauer Fritz Hans Lauten (1935-1988), der Journalist und Kunstkritiker Hans-Karl Pesch (1930-2004), die Komponisten Werner Krahnert (1935-2018) und Hallgrimur Helgason (1914-1994), der Maler Amud Uwe Millies (1932-2008), und viele mehr.


In den Nachmittagen und Abenden im großen Wohnzimmer des Fachwerkhauses wurde viel gezeichnet, musiziert, vorgetragen und diskutiert. Erna Heinen-Steinhoff war der Mittelpunkt und konnte perfekt moderieren.


Erwin Bowien (1899-1972): Eine Sitzung des „Salons“ im Hause Heinen, 1960
Erwin Bowien (1899-1972): Eine Sitzung des „Salons“ im Hause Heinen, 1960

Kurzbiografien

Kurzbiografien der Besucher des Salons (Auswahl)


Rabindranath Tagore (Rabindranath Thakur), 1861 - 1941


Cherishsantosh, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Bengalische Dichter, Maler und Philosoph war -als erster Asiate - der Nobelpreisträger des Jahres 1913. Die Nationalhymnen von Indien und Bangladesch stammen aus seiner Feder. Engagierter Kultur- und Sozialreformer, gehört er zu den großen Figuren des 20. Jahrhunderts. Er bereiste Deutschland mehrere Male. Während einer dieser Reisen beehrte er für einen Abend den Salon der Erna Heinen-Steinhoff als dieser noch in der Solinger Bertramsmühle stattfand. Erwin Bowien schrieb wie sehr Ihn die Begegnung beeindruckte und die Stimme des Philosophen eine „ herrliche persönliche Erinnerung“ blieb. Er war sicherlich der Bedeutendste Besucher des Salons.


Sigrid Undset , 1882 - 1949


Erwin Bowien (1899-1972) –Sigrid Undset im Salon des Hauses Heinen, 1947
Erwin Bowien (1899-1972) –Sigrid Undset im Salon des Hauses Heinen, 1947

Die norwegische Nobelpreisträgerin Sigrid Undset erfand für Erwin Bowien während eines Besuchs im Salon des Schwarzen Hauses den Kosenamen „Bo“ mit welcher der Künstler fortan von nahestehenden Personen bedacht wurde.

Ihr Vater, Ingvald Undset, war ein international anerkannter norwegischer Archäologe. Ihre Mutter, Charlotte Gyth, war Aquarellmalerin und entstammte einer angesehenen dänischen Juristenfamilie. Ihre Eltern weckten sehr früh Sigrid Undsets Interesse an der norwegischen und europäischen Geschichte und Kultur und legten damit das Fundament für ihre zukünftigen Romane.

Mit dem tragischen Roman Jenny (1911) erlebte Sigrid Undset den endgültigen Durchbruch als Autorin. Für den dreibändigen Roman Kristin Lavranstochter erhielt sie 1928 den Literaturnobelpreis; er gilt als eines der Hauptwerke der norwegischen Romanliteratur. Auch der vierteilige Roman Olav Audunssohn über das ländliche mittelalterliche Leben und seine religiöse Lebensordnung war bei Kritik und Lesern erfolgreich.

Die deutsche Besetzung des Landes 1940 beendete die große Schaffenszeit Sigrid Undsets. Sie musste aus Norwegen fliehen, da sie sich schon zu Beginn der 1930er Jahre in der Widerstandsbewegung den Nationalsozialismus engagiert hatte. Sie reiste mit ihrem jüngsten Sohn Hans über Schweden, die Sowjetunion in die USA. Im Jahre 1945 kehrte Sigrid Undset nach Norwegen zurück, wo sie vier Jahre später starb. Begraben wurde sie in Mesnali, einem Dorf 15 km östlich von Lillehammer, in dem auch heute noch ihr Grab zu besuchen ist. In Norwegen wird Sigrid Undset – als eine von drei norwegischen Literaturnobelpreisträgern – zu den großen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts gezählt. Norwegen ehrt sie mit einer Abbildung auf dem 500-Kronen-Schein. Nach mehreren Jahren Umbauzeit und aufwendigen Renovierungsarbeiten ist das ehemalige Wohnhaus von Sigrid Undset in Lillehammer seit Anfang Mai 2007 als Museum geöffnet.

Die Schriftstellerin Ellen Marga Schmidt beschrieb den Besuch von Sigrid Undset im Salon der Familie Heinen im Schwarzen Haus. Siehe Reiter „Zeugenbericht“.


Musikdirektor Hermann Assmann, 1890 - 1954

Der Solinger Komponist und Musikdirektor, Hermann Assmann, wurde durch Bowien in den Salon des Schwarzen Hauses eingeführt.


Erwin Bowien, 1899 – 1972


Erwin Bowien, 1932
Erwin Bowien, 1932

Signatur von Erwin Bowien
Signatur von Erwin Bowien

Im Jahre 1927 lernte Erwin Bowien die Familie Heinen kennen, und besuchte fortan regelmäßig den Salon der Erna Heinen-Steinhoff. Erst in der Bertramsmühle in Solingen, wo erste Porträts von Erna und Hanns-Heinen entstanden, danach im sogenannten „Schwarzen Haus“ in Solingen. Als Erwin Bowien ins niederländische Exil ging, wurde er dort sehr oft von der Familie Heinen besucht.

Zurück in Deutschland, verbrachte Erwin Bowien mit Erna Heinen-Steinhoff und Ihren Kindern, die letzten beiden Kriegsjahre versteckt im kleinen Allgäuer Ort Kreuztal-Eisenbach. Ab 1945 zog er selbst in das „Schwarze Haus“ nach Solingen. Er war ab diesem Zeitpunkt fester Bestandteil der Familie und Mitorganisator der Salons.


Dr. Eduard M. Fallet - Von Castelberg, 1904 - 1998


Erwin Bowien (1899-1972): Dr. Edouard M. Fallet-Castelberg, 1964
Erwin Bowien (1899-1972): Dr. Edouard M. Fallet-Castelberg, 1964

Zu den wichtigsten Schweizern, die seit den 50. Jahren regelmäßig den Solinger Salon von Erna Heinen-Steinhoff aufsuchten, gehörte der Berner Mäzen, Kunstsammler und Heimatforscher Herr Eduard M. Fallet - Von Castelberg. Herr Fallet - Von Castelberg, welcher zeitweise die Schweizer Bundesbahn leitete, war der wichtigste Sammler und Förderer der Künstler Bettina, Bowien und Millies in der Schweiz. Er lernte Erwin Bowien kurz nach dem zweiten Weltkrieg anlässlich einer der ersten Schweizer Reisen des Künstlers nach dem Krieg kennen. Er stammte aus dem französischsprachigen Kanton Neuchatel am Neuenburger See, wo auch Erwin  Bowien seine Jugend verbrachte hatte und half zusammen mit Erik Thiebaud, Bowiens Jugendfreund, dem Künstler in der Schweiz wieder Fuß fassen zu lassen. 1954 organisierte er in Bern die erste Ausstellung von Bowien in der Schweiz nach dem zweiten Weltkrieg die er auch persönlich eröffnete und dem Berner Publikum engagiert näherbrachte. Fortan hat er kontinuierlich und mit viel Einsatz das weitere Wirken Bowiens durch Publikationen und die Patronage zahlreicher Ausstellungen begleitet. Die Freundschaft beider Männer währte bis zum Tode des Künstlers. Er war der erste der die Entzifferung der Autobiografie von Erwin Bowien – ein kaum leserliches Manuskript welches in aller Eile im Sterbebett des Künstlers entstanden ist – in Angriff nahm. Aus seiner Feder stammt auch die erste Monographie über die Künstlerin Bettina Heinen-Ayech, welche 1967 unter dem Titel: „ Bettina Heinen“ im Berner Verlag Kleiner - in einer deutschen und in einer französischen Ausgabe - publiziert wurde.

Auf vielfältiger Weise trat er in der Schweiz und in Deutschland als Kunstförderer hervor. So war er Ehrenpräsident des Berner Musikkollegiums und erster Präsident des Freundeskreises Erwin Bowien e.V. den er 1976 im Solinger Klingenmuseum mitbegründete. Sein breites literarisches schaffen wandte sich, neben der Kunstgeschichte auch der regionalen Geschichte, insbesondere der historischen Ortschaft Bremgarten bei Bern zu. Das hat sich in einer ganzen Reihe von Büchern und Schriften niedergeschlagen. Neben Bowien hat er sich literarisch und Kunsthistorisch auch den Künstlern Johann August Nahl, Bildhauer des Barocks, und dem Maler Paolo (1894-1982) zugewandt.


Sigrid Genzken-Dragendorff , 1900 - 1985

International renommierte Haiku-Dichterin. Geboren als Deutschschwedin in St. Petersburg floh Sie während der Revolution nach Deutschland wo Sie zwischen Rostock, Berlin und Breslau pendelte. Nach dem Krieg lässt Sie sich erst in Regensburg dann in Fischach nieder. Mitglied in zahlreichen literarischen Verbänden und seit 1983 Ehrenmitglied des Senryu-Zentrums. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Freundeskreises Erwin Bowien e.V.. Sie hatten Bowien und seine Schülerin Bettina nach dem zweiten Weltkrieg in München kennen gelernt und war in den 60er Jahren - trotz der langen Anreise - mehrfach im Solinger Salon im Schwarzen Haus zur Gast.

Zu ihren letzten Veröffentlichungen gehörte ein Text über Erwin Bowien und seiner Schülerin Bettina Heinen-Ayech.


Professor Hallgrimur Helgason - Isländischer Musiker und Komponist, 1914 - 1994

Geboren im kleinen Fischerdorf Eyvavbakki an der Südküste Islands, beide Eltern waren dort als Volksschullehrer tätig, lernte er mit 8 Jahren das Geigenspielen. Nach einem kurzen Studienaufenthalt 1935 in Kopenhagen, Studierte er von 1936-1939 in Leipzig am dortigen Landeskonservatorium.

Ab 1949 Studium an der Musikhochschule in Zürich (Musiktheoretische Fächer). Lernt dort den Maler Erwin Bowien (1899-1972) kennen mit welchem Ihm eine Lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Durch Bowien Bekanntschaft mit der Familie Heinen und mehrere Besuche im Kunstsalon der Erna Heinen-Steinhoff (1898-1969) in der Künstlerkolonie im Schwarzen Haus in Solingen. Erlangung 1954 der Doktorwürde der Universität Zürich. Vortragstätigkeit in Holland, BRD, DDR, Österreich, Schweiz und in allen nordischen Ländern.

Mitbegründer des Isländischen Komponistenverbandes und der Isländischen Gesellschaft für Urheberrechte. Gründung und Leitung der Isländischen Musikzeitschrift Tönlistin (=Die Musik) von 1940-1947. Tätigkeit am Isländischen Staatsrundfunk von 1959-1966. Professur an der Universität Saskatchewan von 1966-74, Gastprofessur 1970 an der Freien Universität Berlin. 1963 Überreichung des Ordens „ Ritter des Falkenordens“ durch den Isländischen Staatspräsidenten. Ab 1974 Professur den der Universität Islands. 1976 Gründungsmitglied des Freundeskreis Erwin Bowien e.V im Deutschen Klingenmuseum in Solingen.

Erstellung von rund 60 Kompositionen aller Gattungen.

Als Besuchers des Kunstsalon von Erna Heinen-Steinhoff - kam er ab den 50er Jahren mit der Lyrik von Hanns Heinen (1895-1961) in Berührung, die er anlässlich seiner Besuche, Vorgetragen durch die Salondame, kennenlernen sollte. Diese inspirierten Ihn zu einer musikalischen Umsetzung. Er lies einige Gedichte ins Isländische übersetzen und nutzte Sie als Texte für einige Elegien die er komponierte.

Seinen musikalischen Stil bezeichnete er selbst als Freitonal im Rahmen einer folkloristischen Expressivität.

Besondere Verdienste erwarb sich Hallgrimur Helgason aber auch durch die Sammlung und Vertonung Isländischer Volkslieder.


Max Kaiser

Unter den Schriftstellern die den Salon im Schwarzen Haus regelmäßig verkehrten war der Autor Max Kaiser der den „ Platzhof“ schrieb. Er wurde von Erwin Bowien sehr geschätzt der Ihn in seiner Autobiografie erwähnte.


Lies Ketterer - Bildhauerin, 1905 – 1976


Lies Ketterer (1905-1976): Portraitkopf von Diana Millies als Kind, 1966
Lies Ketterer (1905-1976): Portraitkopf von Diana Millies als Kind, 1966

Die Bildhauerin Lies Ketterer ( Florentine Luise „ Lies“ Ketterer) verkehrte oft im Hause Heinen.Sie war in Berlin geboren und zog 1913 mit Ihren Eltern in die Heimatstadt ihrer Mutter Solingen. Lies Ketterer schuf in Solingen zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum. Tiere und kleine Kinder waren ihre bevorzugten Themen. Ihre bekanntesten Plastiken sind der „Hans im Glück mit dem Dukatenesel“ vor der Stadt Sparkasse Solingen. Die Skulptur des Heimatdichters „ Peter Witte“, die „ De Steltlopers“ in Gouda.
Lies Ketterer war auch als Schriftstellerin tätig und verfasste Erzählungen. 1968 war sie Gründungsmitglied des Soroptimist International, Club Solingen. Lies Ketterer hielt regen Austausch mit den Künstlern des schwarzen Hauses, insbesondere mit Erwin Bowien, der sie und ihre Schwester in seiner Autobiographie würdigte und mit Bettina Heinen-Ayech, mit welcher Sie 1971 eine große gemeinsame Ausstellung in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach durchführte. Lies Ketterer schuf von Bettina Heinen-Ayechs Tochter Diana einen Ihrer berühmten Kinderköpfe.

Fritz Hans Lauten - Glaskünstler, 1935 – 1989


Fritz H. Lauten: Glasfenster im Künstleratelier des „Roten Hauses“ in Solingen
Fritz H. Lauten: Glasfenster im Künstleratelier des „Roten Hauses“ in Solingen

Der Namhafte Kölner Glaskünstler wurde in eine traditionsreichen Kölner Glaswerkstatt hineingeboren. Fritz H. Lauten sollte diese in der dritten Generation weiterführen.

In den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhundert lernte er in den Kölner Werkschulen die Kunststudentin Bettina Heinen – Ayech (1937-2020) kennen. Durch Ihre Vermittlung lernte er auch die anderen Künstler des „ Schwarzen Hauses“ kennen und sollte dort oft zu Gast sein. Seit 1965 wirkte er als freier Glasbildner  und hatte bereits früh große Erfolge. 1971 gründete er gemeinsam mit anderen Künstlern die Künstlergruppe „Kölnerschule“. Sein größtes Glasfenster steht in der evangelischen Stadtkirche in Solingen und konnte erst nach seinem Tode vollendet werden.

Unvergessen sind die großen Atelierfeste die er jeden Sommer in seinem Atelier in kürten im oberbergischen gab. Er hatte im Wald bei Kürten ein einmaliges Glashaus gebaut. Dieses futuristische Gebäude nutzte er als Atelier.

Seine Freundschaft mit den verschiedenen Künstlern der Künstlerkolonie des “Schwarzen Hause“ materialisierte sich durch die Realisierung einer ganzen Reihe von Glasbildern die ihr eigenhändig in die Fenster des Ateliergebäudes der Künstlerkolonie im sogenannten „ Roten Haus“ einbaute. Diese Glasfenster existieren noch heute und sind ein Vermächtnis aus der großen Zeit der Künstlerkolonie des „Schwarzen Hauses“


Werner Lehmann-Jenny, 1920 - 2007


Erwin Bowien (1899-1972): Werner Lehmann-Jenny, 1971
Erwin Bowien (1899-1972): Werner Lehmann-Jenny, 1971

Der Schweizer Musiker ist in Basel geboren und aufgewachsen. Seine Musikalität zeigte sich schon früh. Nach Klavier - und Violinunterricht wechselte er mit 14 Jahren zur (Quer-)Flöte, wurde an der Schweizerischen Orchesterschule und am Konservatorium in Basel zum Musiker ausgebildet und erwarb mit 22 Jahren das Orchesterdiplom für flöte, mit Klavier und Violine in den Nebenfächern. 1948 erfolgte seine Berufung ans Konservatorium Bern, wo er bis 1990 eine Flöten Klasse leitete. So hat Werner Lehmann-Jenny als Flötist Berns Musikleben mehr als 40 Jahre lang mitgeprägt. Neben seiner Tätigkeit am Konservatorium Bern unterrichtete er an verschiedenen musikalischen Einrichtungen in der Schweiz und leitete als Dirigent Orchester in Basel, Bern und Langenthal. Werner Lehmann-Jennys Anspruch an ein hohes Niveau musikalischer Darbietungen, dass er auch von seinen Schülern forderte, war begleitet von einem ausgeprägtem Baseler Humor, und so konnte auch eine hart umkämpfte Unterrichtsstunde mit einem Lachen enden. Konzertauftritte als Solist führten Werner Lehmann – Jenny in alle Teile der Schweiz und ins Ausland. Seid er die Eröffnung der Erwin Bowien-Ausstellung 1954 in Bern mit seinem Flötenspiel umrahmt hatte, entwickelte sich zwischen beiden Künstlern eine tiefe und dauerhafte Freundschaft, in die später auch das Ehepaar Heinen in Solingen und Bowiens wichtigster Schülerin Bettina Heinen – Ayech einbezogen wurde. So kam es dass Herr Lehmann – Jenny mit seiner Gattin oft den Weg nach Solingen nahmen und im schwarzen Haus verkehrten und die Gesellschaft bereicherten.


Adolf Heinrich Neufeldt, 1848 - 1930


Adolf H. Neufeldt in Arabischer Tracht im Algerischen Wüstenort Biskra, 1912
Adolf H. Neufeldt in Arabischer Tracht im Algerischen Wüstenort Biskra, 1912

Signatur von Adolf Heinrich Neufeldt
Signatur von Adolf Heinrich Neufeldt

Adolf Heinrich Neufeldt bei seiner Ägypten Reise 1913/14
Adolf Heinrich Neufeldt bei seiner Ägypten Reise 1913/14

Adolf Neufeldt war der Großvater Mütterlicherseits des Künstlers und eine wichtige Bezugsperson im Leben von Erwin Bowien. 

Der von ihm Hochverehrte Großvater Stammte aus Ostpreußen aus einer Familie die ursprünglich 1525 aus Groningen in Holland als Mennoniten nach Ostpreußen gezogen war und ursprünglich „Van der Niefeld“ hieß.

Sie hatten sich aus Landmangel in die Ferne begeben. Friedrich der Große begünstigte ihre Ansiedlung und gab Ihnen einen besonderen Status. Wie sie es von ihrer alten Heimat gewohnt waren, legten die Mennoniten das oftmals überschwemmt the Weichsel Delta durch Gräben und Deiche trocken. Der 1848 geborene Adolf Neufeldt ging bei seinem Vater der eine gut gehende Klempnereibetrieb in die Lehrer.

Der Betrieb weitete sich allmählich aus und entwickelte sich zu einer Metallwarenfabrik mit Emaillierwerk und einer Spielzeugabteilung aus die Neufeld chen Erzeugnisse wurden 1875 auf den Industrie Ausstellung in Königsberg und Kassel prämiert. Es folgten 1878 die Teilnahme an der Weltausstellung in Paris und 1880 die Prämierung auf der Welt Ausstellung in Sydney. Im Jahre 1887 wurden bereits 300 Arbeiter eingestellt. Das Unternehmen wurde durch Grunderwerb und Bauten und laufend vergrößert. Die Familie unternahmen große Reisen. 1885 ging es nach Griechenland und Konstantinopel. 1893 nach New York. Eltern und Kinder waren musikalisch. Nachdem das Neufeldtsche Werk in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war, konnte es sich Adolf Neufeldt schon mit 45 Jahren leisten, aus dem Unternehmen auszuschalten. Die Familie ließ sich daraufhin in Freiburg im Breisgau nieder und errichtete dort 1895 eine ansehnliche Villa im Neorenaissancestil.


„Wandervogel" von Adolf Heinrich Neufeldt
„Wandervogel" von Adolf Heinrich Neufeldt

Das Fahrrad war das beliebteste Fortbewegungsmittel des Wandavogels Adolf Neufeldt. Selbst über die Alpenpässe wurde öfter nach Italien geradelt, obgleich das Land der Zitronen um 1900 noch nicht so ungefährlich war wie heute. Doch Adolf Neufeld sprach fließend italienisch und trug einen Vollbart, so dass er zuweilen  für ein Garibaldianer gehalten wurde. Im Jahr 1904 stürzte er mit dem Rad in den Maggia-Grund bei Locarno, kam aber mit heiler Haut davon. Nachdem die Zehn Kinder das Haus verlassen hatten und auch die Lebensgefährtin und Gattin Marie Luise 1902 gestorben war, wurde die Freiburger Billa verkauft. Der Großvater lebte noch zeitweise bei seinem Sohn Hans in Kiel, später wohnt er abwechselnd in Interlaken, Jachenau und Meran. Von diesen Orten besuchte er noch häufig seine Kinder und zahlreichen Enkelkinder.

1905 fuhr Adolf Neufeldt mit dem Rad bis nach Sizilien, 1909 ging es durch Tunesien und Algerien, 1910 trug ihn sein Stahlross durch Frankreich und die Pyrenäen nach Nord Spanien, 1912 schwang er sich mit 64 Jahren zu seiner letzten großen Rad Tour durch Algerien auf. Im Jahre 1913-14 fuhr er dann auf eine Einladung des norddeutschen Lloyd nach Ägypten und gelangte dabei bis nach Assuan. Durch diese Reisen, die damals noch recht ungewöhnlich waren, entstanden verschiedene Abhandlungen, Zum Beispiel über Lourdes, Tunesien, das Atlasgebirge, Konstantinopel und Ägypten, die in Fortsetzungen in großen Tageszeitungen und als Sonderdrucke erschienen.

Mit 83 Jahren ist sehr ungewöhnlich vielseitige, für viele interessierte und stets aktive Großvater am 10. September 1930 Uhr verstorben. Sein Grab befindet sich in Meran. Adolf Neufeld wurde anlässlich seines Besuches bei seinem Enkel Erwin Bowien in Solingen, Gast des Salons von Frau Erna Heinen Steinhoff.


Hans – Karl Pesch, 1930 - 2003


Bettina Heinen Ayech - Hanns-Karl Pesch, 1978
Bettina Heinen Ayech - Hanns-Karl Pesch, 1978

Bereits als junger Mann, war Hans Karl Pesch mit der Familie Heinen und den Künstlern des „Schwarzen Hauses“ sehr verbunden.

Am 10. Januar 1930 wurde er in Stuttgart geboren, Sein Vater war ebenfalls Redakteur. Nach Volontariat in verschiedenen Zeitungen kam er 1954 nach Solingen zur Redaktion der rheinischen Post dessen Leiter er von 1961 bis 1972 werden sollte. Danach übernahm er die Bezirksredaktion der bergischen Morgenpost in Remscheid – Lennep. Seine Artikel unterschrieb er mit hkp.

Hans Karl-Pesch war regelmäßiger Gast im „schwarzen Haus“ und verfolgte wie kein anderer Journalist das werden und das Wirken der Protagonisten der Künstlerkolonie: Erwin Bowien, Bettina Heinen-Ayech - Amud Uwe Millies hatten für ihn keine Geheimnisse. Er hatte sehr früh Die Möglichkeit die Entwicklung dieser Künstler zu verfolgen, beeindruckt vom Potenzial und vom Mut dieser eigenwilligen Künstler, insbesondere aber von Bettina Heinen- Ayech, die er im Rahmen einer Reportage in Algerien besuchen sollte und deren Kunst er auf Weltniveau verortete.

Hans Karl Pesch war aber auch selbst schaffend tätig. Er malte und schrieb skurrile und hintersinnige Bilder und Texte sowie kleine Ministuren - Die „Egos“ wie er Sie nannte - die für die Besucher des Salons von Erna Heinen – Steinhoff und später für die von Ihrer Tochter Bettina arrangierten Treffen Kunstsinniger immer einen Höhepunkt darstellten. Auch zu seinem Kollegen, Hanns Heinen, hatte er eine Respektvolle Zuneigung und half Bettina Heinen-Ayech, nach dem Tode ihres Vaters, dessen literarisches Werk zu sichten.
Pech war lange Zeit Vorsitzender des bergischen Berufsverbandes bildender Künstler (BBK). Um das Werk von Erwin Bowien der Nachwelt zu erhalten, wurde er 1976 Mitbegründer des Freundeskreises Erwin Bowien e.V. ,dessen  stellvertretender Vorsitzender er bis zu seinem Tode bleiben sollte. Er hat Monografien und viele Texte über Erwin Bowien und Bettina Heinen- Ayech verfasst. Bis zu seinem, viel zu früh eingetretenen Tode, zeichnete er für die Redaktion der „Mitteilungen des Freundeskreises Erwin Bowien e.V.“ verantwortlich.

Carl Reschke, 1872 - Todesdatum unbekannt

Der Ostpreußischen Bildhauer Carl Reschke war in den 20er Jahren in Solingen ansässig und an der Solinger Fachschule tätig. Der Bildhauer Carl Reschke kam über Erwin Bowien in den Salon des Schwarzen Hauses. Er arbeitete zum Teil für die Berliner Porzellanmanufaktur, und er machte hunderte schöner Grabentwürfe. Erwin Bowien schrieb in seiner Autobiografie: „Die Portraits (die Reschke schuf) erinnerten an Schadow und Hildebrand“.


Dr. Heinz Risse, 1898 - 1989

Der Schriftsteller hatte mit seinem Werk internationales Ansehen erlangt und galt in der Literaturwelt als einer der kritischsten und eigenwilligsten Deuter Deutscher Vergangenheit und Gegenwart in der Bonner Republik. Der Kulturpreisträger der Bürgerstiftung Solingen und des Immermannpreises war Erwin Bowien und seiner Schülerin Bettina Heinen - Ayech sehr verbunden und besuchte Regelmäßig den Salon der Erna Heinen-Steinhoff im Schwarzen Haus.


Helmut Schaeffer, 1911 - 1989

Helmut Schaeffer war, in den 1920er Jahren, auf dem Gymnasium Schwertstraße in Solingen - wie auch der spätere Bundespräsident Walter Scheel - Schüler Erwin Bowiens und wurde durch seinen Kunstlehrer so stark beeindruckt, dass er sich selbst zur Malerei berufen fühlte und ein Leben lang die Nähe zum Werk Bowiens nicht verleugnete. Er stieß Anfang der 1950er Jahre - er war inzwischen Redakteur im Solinger Tageblatt geworden und sollte lange Jahre dessen Redaktionsleitung innehaben - zum Salon im Schwarzen Haus und den Kreis der Intellektuellen um Erna Heinen-Steinhoff.

Erst nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben ist Helmut Schaeffer mit eigenen Kunstausstellungen hervor getreten und hat dabei stets engagiert auf seinen Lehrer Erwin Bowien verwiesen, dem er auch im Bildausdruck nah geblieben war.


Mathias Ludwig Schroeder, 1904 - 1950

Der Arbeiterdichter und Schriftsteller Mathias Ludwig Schroeder - oft Mathias Schröder geschrieben - wurde 1904 in Sulzbach bei Saarbrücken geboren und starb 1950 bei einem Unfall in Hilden bei Solingen wo er zuletzt tätig war und lebte. Der Schriftsteller, der wegen seines Humors auch der „ Rheinische Eulenspiegel“ genannt wurde, war ein guter Freund von Erwin Bowien der Ihn in den Kunst- und Literatursalon der Erna Heinen-Steinhoff im „ Schwarzen Haus“ in Solingen einführte. Nach 1945 unterstützte er Bowien in seiner schriftstellerischen Tätigkeit und Half ihn über die schwere Zeit. Mathias Ludwig Schroeder hatte in den 30er Jahren angefangen zu schreiben. Aus seiner Feder stammen unter anderem „Dichter und Arbeiter“, „Peter der Soldatenjunge“, „Das Mädchen auf dem Rappen“, „Das Beichtrohr“, „Der lachende Hammer“, etc. .


Ellen Marga Schmidt, verstorben 1983


Erwin Bowien (1899-1972): Graphitstudie von Ellen Marga Schmidt (Ausschnitt) im Salon des Schwarzen Hauses, ca. 1950
Erwin Bowien (1899-1972): Graphitstudie von Ellen Marga Schmidt (Ausschnitt) im Salon des Schwarzen Hauses, ca. 1950

Die bedeutende Journalistin und Schriftstellerin lernte kurz nach dem Kriegsende, bei einer Schriftstellertagung im Solinger Wasserschloss Hackhausen den Maler und Autor Erwin Bowien kennen. Durch Ihn entstand der Kontakt zum Salon im Schwarzen Hause an welchem Sie fortan regelmäßig Teilnahm. Ein inniges Verhältnis entstand auf Anhieb mit Frau Erna Heinen – Steinhoff und Ihrem Gatten Hanns Heinen.
Erwin Bowien  nutzte die Zusammenkünfte um eine Reihe von schönen Zeichnungen und Graphitstudien der Künstlerin zu realisieren.
Frau Ellen Marga Schmidt schrieb in den „Mitteilungen des Freundeskreises Erwin Bowien e.V.“ (Heft Nr. 05 - 1982) unter dem Titel „ Ein Ort - und eine Wirklichkeit“ einen sehr lebendigen Bericht über den Salon im Schwarzen Haus zu Solingen.


Hermann Schmitz

Zu den Regelmäßigen Gästen im Hause Heinen gehörte der Solinger Mundartendichter Herrmann Schmitz welcher sein Leben der Pflege der Solinger Mundart widmete. Er schrieb auch Theaterstücke in Solinger Mundart


Dr. med. Richard Topp

Der ehemalige Leiter des Solinger Gesundheitsamtes war als Philanthrop und Kunstfreund, zusammen mit seiner Gattin Käthe, regelmäßig im Schwarzen Haus zu Gast. Erwin Bowien sollte sich immer daran erinnern, dass Herr Dr. Topp, am Tag der Währungsreform 1948, mit seinem ersten Geld in der neuen Währung (Deutsche Mark) dem Künstler ein Bild abkaufte. Herr Topp trug im Lauf der jahrelangen Freundschaft mit Erwin Bowien eine bedeutende Sammlung des Künstlers zusammen.


Dr. Ernst Woltemas, 1913 - 2008

Ernst Woltemas war bereits als Gymnasiast in Erwin Bowiens Zeichenklasse im Solinger Gymnasium Schwertstraße Schüler und blieb seinem Lehrer ein Leben lang verbunden. Durch Bowien fand er nach dem Krieg Eingang in den Salon von Erna Heinen-Steinhoff im Schwarzen Haus. Als sehr belesener und Kunstsinniger Mensch war er eine große Bereicherung für die Runde. Er war Gründungsmitglied des Freundeskreises Erwin Bowien e.V. und unterstützte diesen jahrzehntelang sehr aktiv. In den 80er Jahren unternahm er eine ausgedehnte Reise in die Niederlande auf den Spuren von Erwin Bowien.


Dagfinn Zwilgmeyer, 1900 - 1979

Norwegischer Dichter. Er erforschte Psalmen und hat eine Reihe bekanntgewordener „ Norwegischer Psalmenbücher“ herausgegeben. Er besuchte den Salon im Schwarzen Haus in Solingen und war bis zu seinem Tode sehr mit Erwin Bowien verbunden.