Der Salon im „Schwarzen Haus“ zu Solingen

Erna Heinen-Steinhoff und Ihr kultureller Salon


Die Salondame: Erna Heinen-Steinhoff  (1898-1969) - Historische Aufnahme aus dem Jahr 1917
Die Salondame: Erna Heinen-Steinhoff (1898-1969) - Historische Aufnahme aus dem Jahr 1917

Bereits in den 1920er Jahren begründete Frau Erna Heinen-Steinhoff (1898-1969) – einen Kulturellen Salon, welcher ab Dezember 1932, ins neue Domizil der Familie Heinen, dem „Schwarze Haus“ in Solingen fortgeführt wurde.

Regional und überregional bedeutende Künstler und Intellektuelle verkehrten regelmäßig im Salon der Familie Heinen, eine Tradition die über dem Tod von Erna Heinen-Steinhoff im Jahre 1969 von ihrer Tochter, der Malerin Bettina Heinen-Ayech (1937-2020) während ihrer Aufenthalte in Deutschland in den Sommermonaten weitergeführt wurde und knapp 90 Jahre - in unterschiedlicher Intensität - Bestand hatte. Zu den Besuchern zählten unter anderem der Maler Erwin Bowien (1899-1972), der Cellist Ludwig Hoelscher (1907-1996), die Pianistin Elly Ney (1882-1968), die Bildhauerin Lies Ketterer (1905-1976), der Schriftteller Heinz Risse (1898-1989), der Glasbildhauer Fritz Hans Lauten (1935-1988), der Journalist und Kunstkritiker Hans-Karl Pesch (1930-2004), die Komponisten Werner Krahnert (1935-2018) und Hallgrimur Helgason (1914-1994), der Maler Amud Uwe Millies (1932-2008), und viele mehr.

In den Nachmittagen und Abenden im großen Wohnzimmer des Fachwerkhauses wurde viel gezeichnet, musiziert, vorgetragen und diskutiert. Erna Heinen-Steinhoff war der Mittelpunkt und konnte perfekt moderieren.

Dr. Haroun Ayech


Kurzbiografien

Kurzbiografien der Besucher des Salons


Hans – Karl Pesch, 1930-2003

Bettina Heinen Ayech - Hanns-Karl Pesch, 1978
Bettina Heinen Ayech - Hanns-Karl Pesch, 1978

Bereits als junger Mann, war Hans Karl Pesch mit der Familie Heinen und den Künstlern des „Schwarzen Hauses“ sehr verbunden.

Am 10. Januar 1930 wurde er in Stuttgart geboren, Sein Vater war ebenfalls Redakteur. Nach Volontariat in verschiedenen Zeitungen kam er 1954 nach Solingen zur Redaktion der rheinischen Post dessen Leiter er von 1961 bis 1972 werden sollte. Danach übernahm er die Bezirksredaktion der bergischen Morgenpost in Remscheid – Lennep. Seine Artikel unterschrieb er mit hkp.

Hans Karl-Pesch war regelmäßiger Gast im „schwarzen Haus“ und verfolgte wie kein anderer Journalist das werden und das Wirken der Protagonisten der Künstlerkolonie: Erwin Bowien, Bettina Heinen-Ayech - Amud Uwe Millies hatten für ihn keine Geheimnisse. Er hatte sehr früh Die Möglichkeit die Entwicklung dieser Künstler zu verfolgen, beeindruckt vom Potenzial und vom Mut dieser eigenwilligen Künstler, insbesondere aber von Bettina Heinen- Ayech, die er im Rahmen einer Reportage in Algerien besuchen sollte und deren Kunst er auf Weltniveau verortete.

Hans Karl Pesch war aber auch selbst schaffend tätig. Er malte und schrieb skurrile und hintersinnige Bilder und Texte sowie kleine Ministuren - Die „Egos“ wie er Sie nannte - die für die Besucher des Salons von Erna Heinen – Steinhoff und später für die von Ihrer Tochter Bettina arrangierten Treffen Kunstsinniger immer einen Höhepunkt darstellten. Auch zu seinem Kollegen, Hanns Heinen, hatte er eine Respektvolle Zuneigung und half Bettina Heinen-Ayech, nach dem Tode ihres Vaters, dessen literarisches Werk zu sichten.
Pech war lange Zeit Vorsitzender des bergischen Berufsverbandes bildender Künstler (BBK). Um das Werk von Erwin Bowien der Nachwelt zu erhalten, wurde er 1976 Mitbegründer des Freundeskreises Erwin Bowien e.V. ,dessen  stellvertretender Vorsitzender er bis zu seinem Tode bleiben sollte. Er hat Monografien und viele Texte über Erwin Bowien und Bettina Heinen- Ayech verfasst. Bis zu seinem, viel zu früh eingetretenen Tode, zeichnete er für die Redaktion der „ Mitteilungen des Freundeskreises Erwin Bowien e.V.“ verantwortlich.

Dr. Haroun Ayech


Hallgrimur Helgason - Isländischer Musiker und Komponist, 1914-1994

Geboren im kleinen Fischerdorf Eyvavbakki an der Südküste Islands, beide Eltern waren dort als Volksschullehrer tätig, lernte er mit 8 Jahren das Geigenspielen. Nach einem kurzen Studienaufenthalt 1935 in Kopenhagen, Studierte er von 1936-1939 in Leipzig am dortigen Landeskonservatorium.

Ab 1949 Studium an der Musikhochschule in Zürich (Musiktheoretische Fächer). Lernt dort den Maler Erwin Bowien (1899-1972) kennen mit welchem Ihm eine Lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Durch Bowien Bekanntschaft mit der Familie Heinen und mehrere Besuche im Kunstsalon der Erna Heinen-Steinhoff (1898-1969) in der Künstlerkolonie im Schwarzen Haus in Solingen. Erlangung 1954 der Doktorwürde der Universität Zürich. Vortragstätigkeit in Holland, BRD, DDR, Österreich, Schweiz und in allen nordischen Ländern.

Mitbegründer des Isländischen Komponistenverbandes und der Isländischen Gesellschaft für Urheberrechte. Gründung und Leitung der Isländischen Musikzeitschrift Tönlistin (=Die Musik) von 1940-1947. Tätigkeit am Isländischen Staatsrundfunk von 1959-1966. Professur an der Universität Saskatchewan von 1966-74, Gastprofessur 1970 an der Freien Universität Berlin. 1963 Überreichung des Ordens „ Ritter des Falkenordens“ durch den Isländischen Staatspräsidenten. Ab 1974 Professur den der Universität Islands. 1976 Gründungsmitglied des Freundeskreis Erwin Bowien e.V im Deutschen Klingenmuseum in Solingen.

Erstellung von rund 60 Kompositionen aller Gattungen.

Als Besuchers des Kunstsalon von Erna Heinen-Steinhoff - kam er ab den 50er Jahren mit der Lyrik von Hanns Heinen (1895-1961) in Berührung, die er anlässlich seiner Besuche, Vorgetragen durch die Salondame, kennenlernen sollte. Diese inspirierten Ihn zu einer musikalischen Umsetzung. Er lies einige Gedichte ins Isländische übersetzen und nutzte Sie als Texte für einige Elegien die er komponierte.

Seinen musikalischen Stil bezeichnete er selbst als Freitonal im Rahmen einer folkloristischen Expressivität.

Besondere Verdienste erwarb sich Hallgrimur Helgason aber auch durch die Sammlung und Vertonung Isländischer Volkslieder.

Dr. Haroun Ayech