Künstlergarten

Der Garten als Künstlerort


Historische Aufnahme: Hanns Heinen im Künstlergarten, 30er Jahre
Historische Aufnahme: Hanns Heinen im Künstlergarten, 30er Jahre

Das altehrwürdige „Bergische Land“ gehört zu den Landschaften in Europa, die die größte Menge an Niederschlägen auf dem Kontinent zu verzeichnen hat. Entsprechend üppig die Vegetation und Grün die Landschaft. Wird eine Parzelle sich selbst überlassen überwuchert sie in Kürzester Zeit mit einem sehr dichten Pflanzenbewuchs. Große Flächen mit Brennnessel und Dornenhecken sind nicht selten. In unmittelbarer Nähe der ehemaligen Künstlerkolonie, folgt  man ca. 200 m den kleinen Feldweg, der sich hinter dem Fachwerkensemble des Roten und des Schwarzen Hauses den Hang abwärts schlängeltet,  fällt dem Wanderer eine untypisch gebaute Scheune aus geschwärzten Backsteinen  auf, und daneben ein großes, dicht mit Brombeerhecken und anderen Pflanzen überwuchertes quadratisches Grundstück.


Historische Aufnahme: Hans-Theo Heinen im Künstlergarten, 30er Jahre
Historische Aufnahme: Hans-Theo Heinen im Künstlergarten, 30er Jahre

Die Scheune war ursprünglich zu einem völlig anderen Zweck errichtet worden. Das Gebäude ist eigentlich ein Industriedenkmal und wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts als Pumpenhaus zur Entwässerung des Bleibergwerkes Höhscheid errichtet. Die Betreiber hatten ständig mit Wassereinbrüchen in den Stollen zu kämpfen und beschlossen mit einer Dampfgetriebenen Pumpe dem Problem Herr zu werden. Ende der 1880er Jahre kam dann das endgültige Aus für die Mine. Im jetzt überwucherten Gelände, neben dem Backsteinbauwerk, stand ehemals der Förderturm der Mine. Eine große Abraumhalde in der Nähe zeugt noch von der intensiven Bergwerkstätigkeit. Dieses fast quadratische Grundstück war ehemals fester Bestandteil der „Künstlerkolonie vom Schwarzen Haus“. Hanns Heinen und seine Gattin Erna Heinen – Steinhoff hatten beim Erwerb der Fachwerkhäuser im Jahre 1932 auch dieses Grundstück erworben.


Historische Aufnahme: Gabriele Heinen im Künstlergarten, ca. 1938 - im Hintergrund das Gartenhaus
Historische Aufnahme: Gabriele Heinen im Künstlergarten, ca. 1938 - im Hintergrund das Gartenhaus

Hanns Heinen war ein leidenschaftlicher Gärtner und fand in der beschaulichen Gartenarbeit einen Ausgleich für seine intensive Schriftstellerrische und journalistische Tätigkeit. Mit großem Fleiß und Mühe verwandelte er das Grundstück neben dem ehemaligen Pumpenhaus in einen großen farbenprächtigen Ziergarten. Ein großer altehrwürdiger Kirschbaum mit mächtigem Stamm und Ästen, war das Herzstück dieses Gartens. Der Platz unter dem Baum war ein Fixpunkt der Familie Heinen und später der Künstler der Kolonie, sowie der zahlreichen Besucher des Salons von Erna Heinen-Steinhoff. Besonders Im Sommer fanden an langen Tischen große Gartenfeste statt. Bei Regen flüchtete man in eine kleine Gartenlaube unmittelbar an der Scheune. Lange war es möglich vom Garten aus einen spektakulären Ausblick über den Berghang hinab bis Tief in die Rheinebene zu erleben. Im Vordergrund Weizenfelder und im Mittelfeld die Hofschaft Kohlsberg mit der markanten Kirche.

Historische Aufnahme aus dem Künstlergarten: Im Hungerjahr 1946 : V.Ln.R: : Hanns Heinen, Gabriele Heinen, Eva Schneider, Gunther Heinen, Erna Heinen-Steinhoff, Erwin Bowien und Bettina Heinen - im Hintergrund die Mauer des ehemaligen Pumpenhauses
Historische Aufnahme aus dem Künstlergarten: Im Hungerjahr 1946 : V.Ln.R: : Hanns Heinen, Gabriele Heinen, Eva Schneider, Gunther Heinen, Erna Heinen-Steinhoff, Erwin Bowien und Bettina Heinen - im Hintergrund die Mauer des ehemaligen Pumpenhauses

Der Garten war bis in die 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts umgeben von Weizenfelder. Für die Künstler somit ein perfekter Beobachtungsposten. Der Blick, die zahlreichen Blumen, der Kirschbaum und die anderen Zierpflanzen- in den Hungerjahren nach dem Krieg dann die Nutzpflanzen - waren für die Künstler und für die Familie Heinen  von großen Wert und Boten viele Motive. Der Garten war in jeder Hinsicht ein Künstlergarten und steht in einer Tradition wie der Garten von Monet in Giverny, wenn auch ohne Gewässer und Wasserpflanzen. Im Rahmen des anstehenden Museumsprojektes wäre dieser Garten eine Ideale Ergänzung eines Möglichen Museumsparcours.

Die Junge Bettina Heinen im Künstlergarten, 1947
Die Junge Bettina Heinen im Künstlergarten, 1947